-   Können Sie mir etwas über aktuelle Prinzipien für universitäre Ausbildungen in der modernen Gesellschaft erzählen?

-   PW: Meinen Sie jetzt Universitäten oder Kunsthochschulen?

-   Eher allgemein!

-   Auf den Universitäten ist ursprünglich der Trend gewesen eine Bildung zu machen, Bildung zu unterrichten und Forschung. Bei dem Wort Ausbildung geht es schon darum, dass Bildung unter dem Gesicht der Anwendung betrachtet wird. Die Tendenz ist fortschreitend dass das Wort Bildung, Wissen, Kompetenz, Expertise...was wichtig ist Expertise, Fachwissen , dass das durch den gesellschaftlichen Druck immer mehr zu einem Anwendungsbereich wird. Die Tendenz ist von Bildung zur Ausbildung, von der Mathematik zur Industriemathematik , wie kann die Mathematik, die eigentlich eine Orchideenforschung ist, ein Luxus, eine freie Übung des Geistes, wo man eine große Architektur der Zahl aufbaut, aber von der man noch nicht weiß, können diese mathematischen Architekturen auch angewendet werden, weil heute der Trend sehr stark ist , es zur Anwendung zu bringen. Das geht sogar soweit, dass das was sich Europa selbst verordnet hat, nämlich das berühmte Bolognaprogramm, ein Beschluss der europäischen Kultur- und Erziehungsminister, das Studium zu staffeln, das die Leute schon nach ein, zwei Jahren einen Grad haben Bachelor und dann Magister, die Verschulung, die Staffelung der Titel hat das Ziel in kürzerer Zeit mehr auszubilden und das geht klarerweise auf Kosten von Kompetenz, Expertise und Tiefe des Wissens. Die Vorherrschaft die Europa Jahrhunderte hatte in dieser Welt, war eben das Wissen und dieses Grundaxiom der Vorherrschaft, das von Universitäten kam dh. Die Universitäten sind der wichtigste Motor gewesen der europäischen Expansion der europäischen Grandeur, das wird jetzt sozusagen abgebaut. Mir soll kein einziger Politiker erzählen, er wäre an Bildung interessiert, sondern es ist niemand mehr an Bildung interessiert, auch nicht einmal an Ausbildung, denn auch die Bedingungen für Ausbildung sind so, dass die meisten Leute die an den Toren klopfen sind für die Firmen schwer zu verwenden weil sie eben zuwenig können.

-   Das heißt dieser freie universitäre Geist der eigentlich stattfinden sollte, wird beschränkt auf kapitalistische Strömungen?

-   Verwertungsstrukturen und langfristig passiert etwas Groteskes, dass das was man den Universitäten wegnimmt nämlich die Freiheit der Lehre und die Freiheit der Forschung indem man sagt sie müssen so viele Studenten in der und der Zeit ausbilden und das ist das Wichtigste und nicht die Freiheit der Lehre und die Freiheit der Forschung , das was man den Universitäten faktisch en gros wegnimmt, gibt man Ihnen en detail wieder zurück in dem man es dann nennt Exzellenzkluster oder Eliteuniversität. Das heißt man zerstört 90% der Universität und dann sagt man 10% machen wir machen wir auf normale Universität, was früher eine normale Universität war und nennen es aber heute Eliteuniversität. Der auf der Eliteuniversität angestellt ist , kann dann sagen, ich muss nicht viele Studenten unterrichten, ich kann einen gewissen Zeit meines Lebens dazu verwenden um zu forschen und akademische Lehre zu machen und nicht nur Ausbildung von angewandten Wissenschaftlern. Das ist dann noch das zweite Groteske dass das was normal gewesen wäre dann plötzlich in kleinen Bereichen, Mikrobereichen zurückkommt als Elite und Exzellenzkluster. Hier imitiert Europa auf eine unvorstellbar tragische Weise amerikanische Systeme und sieht nicht dass Amerika ganz andere soziale und ökonomische Vorraussetzungen hat um Eliten zu bilden ,aber dass ein Grossteil der Bevölkerung Analphabeten sind. Das ist jetzt auch schon merkbar klarerweise , die Gewalt an den Schulen die wir haben , die es früher nur in Amerika gegeben hat, hat damit zu tun , dass das Bildungsniveau so gesunken ist , wenn junge Leute ,Schüler Scheisse sagen in Diskussionen, dann auch deshalb weil sie gar keine andere Sprache lernen oder wenn sie sagen ich bin doch keine Schwuchtel ,dass ich Bücher lese!. Dass die Gewalt an den Schulen steigt, hat damit zu tun, dass das Bildungsniveau sinkt. Das sind Übernahmen aus Amerika und Europa zerstört seine eigenen Wurzeln, indem es amerikanische Systeme übernimmt und glaubt auch mit Amerika konkurrieren zu können durch die Schaffung der Eliteuniversitäten, sehen aber nicht, dass Europa davon gelebt hat von dieser Hegemonie in den Philosophien, der Wirtschaft und anderen akademischen Disziplinen. Eben einen breiten Zugang zu machen auch für die unterprivilegierten Schichten und in Amerika war das so 80% Analphabeten, deshalb auch soviel Gewalt in der amerikanischen Gesellschaft und 20% oder 10% Elite. Das ist doch kein Modell dem man folgen soll, das macht aber Europa gerade jetzt. Es unterwirft sich komplett dem amerikanischen Erziehungsmodell.

-   Haben Sie da Lösungsvorschläge?

-   Die einzige Lösung wäre , dass man auf die Strasse geht und streikt, aber es gibt noch zuwenig Arbeitslose. Der Stand der Arbeitslosen wird noch stärker werden müssen, dann wird die Gesellschaft die Wahl haben entweder rechtsradikale Parteien, die einen Blödsinn versprechen zu wählen oder sie gehen auf die Strasse und fordern die Rechte ein die Ihnen zustehen.

-   Sehen Sie die gleiche Problematik auch an Kunsthochschulen?

-   Die Kunsthochschulen sind im Augenblick davon weniger beeinträchtigt, die haben noch die Lehre verteidigt, die Freiheit der Lehre und der Forschung. Es ist aber klarerweise auch hier zunehmend die Tendenz zu verspüren, das auf den Weg zu bringen , dass durch die so genannte Ausgliederung und Privatisierungstendenzen. Die Kunsthochschulen haben noch weil sie Künstler sind und hauptsächlich Philosophen und Theoretiker die dort lehren, haben sie es verstanden diese Tendenzen einigermaßen erfolgreich abzuwehren. Das einzige , was man denen sagen müsste meiner Meinung nach, das ist meine Vorstellung, das der Überlebenskampf der auch auf sie zukommt, durch vermehrte Evaluierungen und die entsprechenden Kriterien der Evaluierung, wenn sie eben ihren Lehrplan, ihr Curriculum ausweiten würden auf naturwissenschaftliche, technische Bereiche, das würde glaube ich den Kunsthochschulen recht gut tun, das erstens die Schüler die herauskommen fiter, wettbewerbsfähiger sind und eine Anstellung finden oder sich am freien Markt als Künstler durchzusetzen und zweitens die Schule selbst sich fiter hält und wettbewerbsfähiger wird. Es wäre den Studenten gedient und der Schule selbst gedient, wenn sie eben den Lehrplan auf naturwissenschaftliche Fächer ausdehnen würde. Das steht noch aus. Das hat meiner Meinung nach, damit zu tun, dass in dem Augenblick wo die Gesellschaft die Universitäten nachlassen muss jemand im Sinne der Demokratie, und ich habe vorhin schon erwähnt , Bildungsabbau heißt auch Demokratieabbau ,wenn sie eben wissen, dass Robespierre die Enzyklopädie die Morgenröte der Revolution genannt hat, dann weiß man Bildung ist die Morgenröte und die Sonne, von mir aus Bildung ist die Morgenröte der Revolution aber die Sonne der Demokratie. Das ist mein Credo...wenn das abgebaut wird, wird auch Demokratie abgebaut, darum ist die demokratiepolitische Aufgabe von Kunsthochschulen, möglichst wettbewerbsfähig zu bleiben auch für den Studenten, damit sie im Stande sind durch ihre Kompetenz die Demokratie zu verteidigen.

-   Aber würde das diesen Freiraum den vielleicht Kunsthochschulen, oder Künstler die in Entwicklung sind brauchen, einschränken?

-   Nein, ich würde sagen die Ausdehnung auf naturwissenschaftliche Fächer würde den Freiraum noch vermehren. Das man sagen kann es gibt da nicht experimentelle Kunst, es gibt da auch experimentelle Mathematiker , es gibt dann auch Mathematik für Künstler, Philosophie für Künstler , das müssen dann keine Philosophen werden, keine Techniker , keine Mathematiker sondern erst als Künstler bringen sie diesen Freiraum in die Disziplinen hinein . Und können dort mehr Innovation und Experiment machen als die Wissenschaftler selbst.

Man nennt das eben third culture , man hat die zwei Kulturen, die Geisteswissenschaften und die Naturwissenschaften und dann gibt es die berühmte Kluft und eine Fusion der beiden wäre dann eine third culture. Wenn man das nicht macht und das haben wir schon was geschieht wenn man es nicht macht, die Kunsthochschulen betreiben dann eine Fusion zwischen Unterhaltung und Kunst oder Massenmedium und Kunst. Das heißt Kunst wird durch diese Fusion von Unterhaltung und Kunst, wird sie auf die Ebene der Unterhaltung heruntergezerrt und das ist jetzt schon der Fall man hat Penisschauen im Fernsehen in der Talkshow und man hat Penisschauen in der Kunst. Man hat Sexualspiele im Fernsehen und Sexualspiele in der Kunst auf dem gleichen Niveau.Und wenn man zulässt, das sich der Geschmack der Massenmedien , der Geschmack der Unterhaltung und der Geschmack der Kunst sich vereinigt dann erhebt sich die Unterhaltung und nicht die Kunst. Es gibt ja das berühmte Beispiel: Sollen wir die Flüsse erhöhen oder die Brücken senken , dann weiß jeder die Flüsse erhöhen kann man nicht. Eines Tages wird die Gesellschaft sagen wenn wir dieses Niveau der Unterhaltung erreicht haben, dann brauchen wir die Kunst nicht mehr sondern sind alles Unterhaltungskünstler, insofern kann der Freiraum der Kunst nur verteidigt werden wenn diese Fusion nicht eingegangen wird sondern die Allianz mit den Wissenschaften suchen. Das kann ich ihnen mit einem sehr guten Beispiel erklären: Es gibt ein Forschungszentrum wo 3000 Leute arbeiten , von oben bis unten vom Staat finanziert , weil man eben den Respekt hat und sagt das ist freie Forschung her wird geforscht. Es ist unvorstellbar dass es Kunstzentren gäbe mit 3000 Mitarbeitern die vom Staat bezahlt werden, im Gegenteil die Tendenz geht dahin, dass die Studenten noch mehr bezahlen müssen wie früher und dass die Universitäten geschlossen, zusammengelegt, kleiner werden. Hier sehen sie real den Bedeutungsverlust den die Kunst in der Gesellschaft hat , es würde nie ein Minister auf die Idee kommen und sagen, wir schließen das Forschungszentrum aus dem und dem Grund, das würden sie gar nicht zu denken wagen und es würde auch kein Mensch wagen sie müssen populärer werden in ihrer Forschung, sie müssen ihre Forschung so populär machen , dass es das Fernsehpublikum versteht. Wir möchten dass sie dort Oralsex machen, damit sie ins Fernsehen kommen...da wird man doch sagen ist der bescheuert? Hier sehen sie schon faktisch die Respektlosigkeit, die sich die Kunst selbst eingehandelt hat indem sie sich auf das Niveau der Massenmedien begeben hat, die schlägt zurück. Die Kunst spielt sozial keine Rolle mehr und das ist jetzt das Gegenbeispiel, bei Museen wird verlangt, dass sie Besucher haben dh. Ein Museum dass 200,300,400.000 Besucher hat wird von den Massenmedien und der Politik geliebt, aber vom Forschungszentrum verlangt niemand dass es Besucher hat und dort Autobusse stehen dass man sagt die tun ja wichtige Forschung machen hier, wir haben hier 3.000 Leute , wir zahlen Milliarden von Euro pro Jahr in dieses Zentrum und da verlangt kein Mensch Besuchermassen die das stürmen. Wieso verlangt man von der Kunst diese Besucherrmassen? Weil man der Kunst gar nichts mehr zutraut, die Kunst ist im Bewusstsein der Allgemeinheit schon so degradiert dass man sagt, wir möchten faktisch wie in einem Bordell, wie in einer Peepshow und wie beim Massenfernsehen wo auch die Quote zählt, dh. die Kunst wird gemessen nach den Quoten gezählt wie das Massenfernsehen weil die Kunst schon auf dem Niveau angekommen ist. Diese Entmachtung der Kunst ist selbstverschuldet, weil sie die Fusion eingegangen ist daher darf man sich nicht wundern das man sagt man verlangt von euch 200.000 Besucher/ Autobusse und von der Forschung nicht. Also wenn sich die Kunst davon befreien möchte muss sie eben in diese Richtung gehen von echter Forschung und Experiment auch im Bereich der Naturwissenschaften, dann bekommen sie die Freiheit und Autonomie zurück, die eigentlich nicht mehr hat, weil sie schon lange wie das Fernsehen unter Quotendruck steht.

-   Das fällt mir natürlich auch hier auf , sie sind ja Leiter des ZKM, in so Kleinigkeiten wie das Logo zu verändern ,dass man es eben als Publikum besser versteht, oder man muss Ausstellungen machen in Räumen, die vielleicht mehr Leute bringen . Wie stellen sie Sich das vor wie das hier im ZKM weitergeht?

-   Na ja, wir erwerben ja sehr viel Archive, von den Künstlern und Institutionen, damit man hier Material sammelt, dass dann der Forschung zugeführt werden kann. Und die Forschung soll dann so ausschauen, dass ist meine Hoffnung, mein Traum, meine Vision, dass dann eben soviel Material gesammelt wird, man muss ja hier in Jahrhunderten denken, der Prado und der Louvre das sind ja alles Jahrhunderte, ich möchte eben ein Prado, ein Louvre des Medienzeitalters aus dem ZKM machen, das man in ein zwei Jahrhunderten dankbar ist und sagt hier ist alles gesammelt worden, sowohl technisch, softwaremäßig, hardwaremäßig, Kunstwerke,Installationen,Begleitmaterial,Pläne,Bücher,Schriften,Dokumente, das man eben im Stande ist dieses Zeitalter zu rekonstruieren, wie das eben auch möglich ist durch die Malerei in ethnografischen Museen und Kunstmuseen.

Und das man aus dem Material, das hier gesammelt ist die Epoche, die Jahrhunderte rekonstruieren kann und man auch weiß so und so müssen die Ausstellungen gemacht werden natürlich begleitet von entsprechenden audio-visuellen DVD- Publikationen. In meinen Augen ist die Kunstgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts vollkommen falsch geschrieben , weil nämlich das einzige Medium für die Kunstgeschichte bis jetzt Bücher waren, dadurch gibt es einen Überhang von fotografischer Abbildbarkeit, alles andere was in Bewegung ist der Film oder die Musik ist in Büchern nicht abbildbar .Dadurch sind viele Künstler gar nicht in die Bücher gekommen, aber wenn wir nun die Dvd haben und andere Multimedien und auch so genannte Multiplayermedien, dann könne Randfiguren wie Thomas Wilfred etc. die Maler, Schriftsteller, Dichter, Filmer waren die habe dann in der Dvd ihr Medium. Die Kunstgeschichte die bisher mit Büchern geschrieben wurde wird in Zukunft mit Dvd´s geschrieben . Und diese Kunstgeschichte wrid aufgrund des Trägermediums anders aussehen als die vorherige und darum möchte ich sagen, was weiss ich 100 Dvd´s für 100 Jahre 20. Jahrhundert das wäre eine Aufgabe, die man nur machen kann wenn man die entsprechenden Archive schon hat oder wenn man weiß was andere Archive haben. So kann man eben die Bildung, die Freiheit und die Forschung der Kunst verteidigen. Ganz einfach.

-   Man muss einen Deal eingehen, dass Geld reinkommt das aber dann umgewertet wird für den Archivgedanken. Jetzt kommen wir noch mal zu der Lehre....

-   Archiv heißt faktisch, sie kennen den Begriff Utopie und sie wissen auch das seit 1970 die Kritik der Utopie begonnen hat, durch Foucault und andere , Foucault hat den Begriff eingeführt Heterotopie dh faktisch wie ein Schiff. Utopie hat den Nachteil, dass es irgendwo ist irgendwann also nicht von dieser Welt und man kann immer sagen das ist ein utopischer Gedanke ,dh das Wort heißt ein Gedanke der nicht realisierbar ist, dh Utopie wird heute abwertend benützt, nicht machbar. Dadurch möchte ich sagen ich möchte utopische Gedanken haben die hier und jetzt machbar sind und dafür hat sich der Begriff Heterotopie eingebürgert, im Gegensatz zu Dystopie oder Atopie also Negation oder Zerstörung von Zukunft und Heterotopie ist ein Ort in dieser Welt wo andere Gesetze gelten. Und ein Archiv ist für mich ein solcher Ort. Dort können die Gesetze des Kapitals und der Welt noch anders gemacht werden, da kann man noch gegen die Zeit arbeiten, für die Zukunft und für die Vergangenheit.

Ein Ort des Widerstandes in der Tat ist das Archiv, wenn man es richtig macht.Das man etwas archiviert was normalerweise weggeschlossen wird, weggeschmißen, verworfen wird vom Zeitgeist.

-Nochmal zur Lehre, in welchem proportionalen Verhältnis sehen sie theoretische und praktische Grundlagen die gelehrt werden sollen?

Meiner Auffassung nach lebt die Neuzeit nach dem Motto Theorie vor Erfahrung. Das heißt wenn man heute der modernen Kunst vorwirft in vielen. vielen Büchern und von vielen Seiten ihre Theorie -und Kommentarbedürftigkeit, das man sagt ja ich verstehe das Kunstwerk nicht außer es wird mir erklärt, warum musst du so viele Bücher schrieben damit man die moderne Kunst versteht, wieso kann ich icht aufgrund meiner Anschauung mich vor das Bild stellen und es verstehen. Diese Theorie- und Kommentarbedürftigkeit ist ein Axiom der Neuzeit, sie verstehen auch keine mathematische Formel, keine Chemie, keine Physik ,wenn sie nicht die Vorrausetzungen haben. Das hieße faktisch von der Kunst, wenn ich verlange sie sei nicht theorie- und kommentarbedürftig, dann will ich eine Kunst haben vor dem achtzehnten Jahrhundert. Dann schieße ich sie zurück in eine Zeit und deklassiere sie, daraus ergibt sich ja Theorie und Praxis müssen gleichwertig behandelt werden. Man kann klarerweise ohne Experiment dh. ohne Erfahrung keine Theorie entwickeln, aber die Theorie hat wiederum etwas vorraus, dass sie etwas fordert was noch nicht erkennbar ist in der Wirklichkeit. Die Theorie ist die berühmte Karotte vor dem Esel, die dich mitzieht, man muss die Erfahrung überschreiten, weil wenn ich nur die Erfahrung wiederhole gibt es keine Innovation, keinen Fortschritt. Ich brauche Erfahrung um Daten zu haben mit denen ich neue Theorien bilden kann, mit neuen Theorien kann ich wieder nach Entsprechungen in der Wirklichkeit suchen und durch Experimente entdecken was die Wirklichkeit noch in Latenz in sich verborgen hält. Es muss also beides da sein. Die meisten Schulen sind so dass das Praktische überwiegt und eine Theoriephobie herrscht, das Ideal ist klarerweise die Verknüpfung und in Wirklichkeit war das in der Renaissance auch immer da. Die großen Renaissancemaler waren ja auch Wissenschaftler auf der Höhe ihrer Zeit , die machten Lehrbücher zur Geometrie usw.

-   Das eine kommt dem Geniegedanken gleich ,der veraltet ist ...

-   Der immer eine Lüge gewesen ist. Das ist eine schwierige philosophische Konstruktion gewesen mit der Kant und Konsorten den Unterschied zwischen Kunst und Natur erklären wollten, aber aufgrund ihrer Philosophie nicht konnten. Sie konnten noch nicht denken, das Kunst Künstlichkeit ist, sie mussten das Wort Kunst in den Horizont der Natur stellen. Aber damit sich die Kunst von der Natur unterscheidet, darf sie nicht aussehen wie Natur , sonst wäre es ja wieder Natur.Deshalb haben sie gesagt, sie muss zwar dem Plan der Natur folgen , aber nicht aussehen wie Natur.Aber Kunst ohne Natur geht gar nicht deshalb haben sie gesagt, die Natur ist die Kunst Gottes, in der Natur verbirgt sich der Plan Gottes und der Schlüssel liegt bei Gott, und dann ist die Kunst die Natur des Menschen man hat den Geniebegriff gebraucht als hypothetische Brücke, sowie man in der Physik um gewisse Phänomene erklären zu können den Äther brauchte, wie gelangt eine Ursache zu welcher Wirkung, wie kann Schall überragen werden usw. also muss es einen Äther geben, das war ein Theoriedefizit. Genauso wie kann ich aus Natur Kultur machen, in diesem Kontext muss ich den Geniebegriff entwickeln, das hat Kant ja getan, weil das Genie kann das dann, weil er ist Natur , aus ihm spricht Natur, also macht er Kunst ,aber weil er von höchster Natur ist, ist er aber doch wiederum auf verborgene Weise Natur.

Der Geniebegrif ist ein theorietisches Defizit eine Fehlkonstruktion wie der Ätherbegriff hat aber überlebt.

-   In vielen Kunstakademien sind man es ja immer noch ohne die Vergangenheit zu beachten

-   Es gibt ein einziges System das den Geniebegriff möchte das ist der Markt, der will das Original und so kommt es auch zu dem wunderbaren Begriff Originalgenie. Das Genie braucht man um ein Kunstwerk zum Original zu machen. In der paradoxen Wortschöpfung Originalgenie sieht man die Interessen des Marktes, der Kunstmarkt braucht Genies damit sie den Wert der Ware als Original bestätigen können.Nur dieses Individuum kann diese Werk machen, nur das legitimiert diese phantastischen Preise , die unbegründbar sind.

-   Ist ein Künstler der sich verkaufen kann besser als einer der sich nicht verkaufen kann?

-   Das ist die Zukunft. Andy Warhol hat gesagt business art is the best art Geschäftskunst ist die beste Kunst, das hat damit zu tun , ich habe das selbst als Künstler erfahren, ich habe eine Ausstellung gemacht in Galerie Nächst St. Stephan (Wien) und hatte keine Kritiken, damit war ich an der Grenze ob ich überhaupt noch eine zweite Ausstellung bekomme, weil ich habe gelernt, die Öffentlichkeit der Galerie ist gar keine Öffentlichkeit, die Öffentlichkeit ist Medienraum, jetzt musst du als Künstler schauen wie kann ich zu einer Besprechung kommen dh man muss Skandale, Spektakel machen, weil sonst kommt es zu keiner Besprechung. Also hab ich gesehen über dem Medienraum der Galerie erhebt sich der Medienraum, dann hab ich zwei, dreimal Besprechungen gehabt, aber keine Verkäufe, dann hat die Galerie wieder gesagt, wir werden nie mehr mit ihnen eine Ausstellung machen, weil sie verkaufen ja nichts, so hab ich gesehen, es gibt den sogenannten öffentlichen Raum, darüber ist der Medienraum, aber über den Medienraum ist der Markt, das ist der wichtigste öffentliche Raum. Wenn man dort verkauft, wird man als Künstler akzeptiert, deshalb versteh ich jüngere Künstler die sagen, ich möchte direkt in den Markt, weil das der entscheidende öffentliche Raum ist. Der Preis den man dabei bezahlen muss, ist klarerweise der , dass man seine eigenen Ansprüche eformiert, man sagt dann nicht mehr was finde ich gut, was möchte ich machen sondern, was findet mein Käufer gut, was möchte der Markt von mir erwarten. Der Markt hemmt die Entwicklung der Kunst , es wiederholt sich sehr stark, dann macht jeder Künstler eine Art Signatur die er gefunden hat und macht zwanzig 100 Jahre dasselbe. Wenn Arnulf Rainer gesehen hat eine Übermalung das wird gekauft und der Markt möchte immer wieder eine Übermalung, konnte es sich nicht weiterentwickeln und er musste übermalen, übermalen, übermalen. Und so muss sich halt jeder selbst imitieren von Picasso bis Bacon und kann sich nicht entwickeln, damit der Markt immer die gleiche Ware bekommt, die sich einmal durchgesetzt hat. Das ist gut für die Künstler, damit er reich und berühmt wird, aber es ist in den wenigsten Fällen gut für die Kunst. Also traurig das klingt Erfolgsverzicht, kann die Voraussetzung sein, das man gute Kunst macht in diesem Kontext aber. Ich selbst als Lehrer überlasse diese Entscheidung immer dem Studenten selbst. Ich selbst habe eine Lehre, die ist sicherlich , behaupte ich mal die erfolgreichste von ganz Österreich, weil die meisten erfolgreichen Künstler kommen aus meinem Unterricht, viele die heute Professoren sind haben bei mir gelernt, aber ich mache eben eines, die Entscheidung ob er zum Fernsehen geht als angewandter Experte oder er freier Künstler wird , überlasse ich ihm .Ich lerne nur das Handwerk, die Entscheidung ob er sich mit diesem Handwerk dann opfert und Kunst macht auch gegen die Widerstände des Marktes ist seine Entscheidung. Aber ich kann ihm ja die Spielregeln ja aufzeigen du die Spielregeln heißt, beispielsweise wenn ein Kritiker zu Dir kommt und ein Galerist, und Du kannst reden ist das schlecht, weil dann schüchterst Du den Galeristen und Kritiker ein, die werden sagen der kennt sich ja selber aus der braucht mich gar nicht. Deshalb empfehle ich jedem der erfolgreicher Künstler werden möchte zu lallen, vor sich hinzuschauen und einen ausdrucksfähigen Idioten zu imitieren, das macht ihn sympathisch, da werden sie sagen, der arme Künstler, der braucht meine Hilfe, den fördere ich, nur durch mich kann er Künstler werden. Das übe ich meinen Studenten ein , wie sie vor sich hinjammern und säuseln und das üben sie mit mir, und dann haben sie erfolgreiche Geschäftsgespräche und es funktioniert.

Viele Künstler haben gelernt, das es so geht und verstecken dann ihre Intelligenz und ihre Fähigkeiten, damit sie erfolgreich am Ball bleiben. Das ist ein Preis den ich ihnen bezahlen möchte, dass er ständig seine Intelligenz versteckt, aber viele machen das so mit Erfolg. Die Hauptfrage haben sie mir noch gar nicht gestellt: Kann man Kunst lehren und kann man Kunst lernen?

-Die hab ich übersprungen diese Frage!

Man macht ja Schulen weil man davon ausgeht, dass die einen lehren und die anderen lernen können.Da gibt es mehrere Möglichkeiten, dass man sagt , man kann alles allen lehren und dann gibt es die sagen, man kann niemand irgendetwas lehren dann; alle können alles lernen oder niemand kann etwas lernen, das sind die 4 Möglichkeiten die wir haben, und ich würde sagen: Man kann Kunst lehren, aber ob es jemand lernt ist dann jedem Individuum überlassen. Man kann das Lernen nicht erzwingen! Man kann Kunst lehren, man kann Mathematik lehren, man kann Physik lehren...aber ob es gelernt wird und in welchem maße muss jedes Individuum selbst wissen. Es gibt, bestimmte Begabungen vorausgesetzt , zwei Motoren : man muss Kunst lieben, dann beißt man sich hinein und was genau so gut ist, man kann Kunst hassen, und wenn ich einen Künstler hasse, dann muss ich auch lernen, warum hasse ich das so, und dann lerne ich auch seine geheimen Mechanismen, dann lerne ich die Regeln der Uhr kennen, nach der er tickt, aus dem und dem Grund hasse ich den Künstler oder aus dem und dem Grund liebe ich den Künstler. Das sind beides gute Motoren wie man etwas lernt. Aber ob jemand die Leidenschaft aufbringt zu lernen, zu lieben und zu hassen, muss man jedem selbst überlassen. Aber wenn man es mal aufbringt, dann kann man Kunst lehren.

- Vielen Dank für das Gespräch!


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